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Die Plastik-Steuer soll dem EU-Haushalt zum Aufschwung verhelfen


Im Zusammenhang mit der europäischen Finanzierungsplanung ab 2020 hat sich EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger am vergangenen Mittwoch für die Einführung einer europäischen Plastiksteuer eingesetzt. Diese soll sowohl der Verbesserung des Umweltschutzes als auch der Finanzierung des EU-Haushaltes dienen. Dies gilt im Besonderen, da die EU durch den Ausstieg Großbritanniens aus der europäischen Union am 29.03.2019 einem finanziellen Verlust von 12 bis 13 Milliarden Euro im Jahr ins Auge sehen muss. Diese Einbuße gilt es auszugleichen, doch die angedachte Einführung der Plastik-Steuer hat noch andere drängende Ursachen.

 

DHU begrüßt Plastik-Steuer


Die Deutsche Umwelthilfe (DHU) hat die Überlegungen zur Einführung der Plastik-Steuer ausdrücklich begrüßt und setzte sich für die 20-Cent-Abgabe auf Einweg-Plastikflaschen ein. Unterstützung gewinnt sie von der britische Premierministerin Theresa May, die dies ebenfalls befürwortet. Mit den Geldern, die durch die 20-Cent-Abgabe eingenommen würden, könne ein nachhaltiges Mehrwegsystem mit langlebigen Produkten gefördert werden.

 

Der Importstopp Chinas vertiefte die Plastik-Müll-Krise


Durch den Importstopp, den China über den europäischen Plastikmüll verhängt hat, gerät die europäische Entsorgungswirtschaft in eine große Krise. Chinas Absage an den Import des europäischen Mülls ist nur die Spitze des Eisbergs und hat das ohnehin bestehende europäische Müllproblem noch verschlimmert. Bislang konnte über die Hälfte des in der EU anfallenden Plastik-Mülls an das andere Ende der Welt ausgelagert werden. Dadurch wurde das globale Plastikmüllproblem zwar nicht gelöst, aber vertagt. Deutschland stand mit an der vordersten Front und hat nach China im Vorjahr insgesamt 1,5 Millionen Tonnen alter Kunststoffe abgeschoben. Nun müssen sich deutsche sowie europäische Politiker mit dem Problem wieder verstärkt auseinandersetzen, denn China hat den Mülltransporten einen Riegel vorgeschoben.

Bereits im Juli 2017 hatte China der Welthandelsorganisation (WTO) bekannt gegeben, dass ab Januar 2018 ein Importverbot für 24 Müllsorten verhängt werde. Ab Januar 2019 soll der Müllimport insgesamt gestoppt werden. China versucht derzeit, sich eigene Recyclingstrukturen aufzubauen und verzichtet auf die Einfuhr von europäischem Müll. Allerdings bedeutet dies für beide Handelspartner zunächst einen entscheidenden Einschnitt in die Wirtschaft. Zusätzlich kommt hinzu, dass sich für Europa der vorgeschobene Riegel als Wende in der Müllentsorgung erweisen kann. Zwar hat EU hat neue Richtlinien sowie höhere Recyclingquoten gegen Kunststoffmüll erlassen, die ab Jahresende greifen. Die Frage ist allerdings, wie die diesjährigen Tonnen von Plastikmüll entsorgt werden sollen. Derzeit mangelt es an in Deutschland Lagerplätzen und Recyclinganlagen

 

Deutschland ist der viergrößte Plastikmüllproduzent in Europa

In Deutschland produziert derzeit jeder Bürger durchschnittlich 37 Kilo Plastikmüll. Damit nimmt Deutschland als Plastikmüllproduzent den vierten Platz in Europa ein und liegt noch über dem EU-Durchschnitt von 31 Kilo. Dies fand eine Studie Studie des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft heraus. In den letzten zehn Jahren wuchs der Pro-Kopf-Verbrauch um 30% an. Davon werden nur 50% recycelt. Die restlichen 50% werden verbrannt oder exportiert. 

"Wir produzieren, nutzen zu viele Kunststoffe, zu viel Plastik, die trotz Recycling zu Abfällen werden", sagte der EU-Kommissar Günther Oettinger.

Von der immensen Müllproduktion sei die Umwelt in großem Maße betroffen. Dabei geht es nicht nur um reine Nachhaltigkeit, sondern für zahlreiche Lebewesen auch um das Überleben.

"Wir müssen im Interesse unserer Weltmeere, unserer Tiere, im Interesse unser Landschaftsbilder die Menge an verbrauchtem Plastik verringern", meinte Oettinger.

 

Plastik überlebt ewig

Die Sorgen um den Plastik-Müll sind keine geringen, denn Plastik zersetzt sich nur sehr langsam. Da das Material Kunststoff für seine Stabilität bekannt ist, dauert der Verfall entsprechend lange. Laut dem Umweltbundesamt können Mirkoorganismen Kunststoffe zudem nicht komplett abbauen, was bedeutet, dass diverse Mikroplastikpartikel zurückbleiben. In einigen Fällen kann die überwiegende Zersetzung der Kunststoffe bis zu 450 Jahren einnehmen. Als Maßnahme zur Abfallvermeidung werden in den heutigen Wegwerfprodukten, den Produkten mit kurzer Lebensdauer, verstärkt bioabbaubare Kunststoffe eingesetzt. Diese sollen einen schnelleren Abbau ermöglichen.

 zersetzung

© initiative-mikroplastik.de

 

Gründe für die Plastik-Steuer

Vor diesem Hintergrund lassen sich zahlreiche Gründe für die Einführung einer Plastik-Steuer finden.  

1. Plastik belastet Umwelt und Klima

Erdöl, Kohle und Erdgas bilden die Basis für die Herstellung synthetischer Kunststoffe. Der Ausgangsstoff ist dabei Rohbenzin. Durch Verbrennung von Plastik werden pro Kilo zudem drei Kilogramm CO2 in die Atmosphäre gegeben. Der dabei entstehende Treibhauseffekt trägt damit zur Klimaerwärmung bei.

2. Plastik hat einen negativen Einfluss auf unsere Gesundheit

Die beigemischten Zusätze von Plastik belasten die Gesundheit. Dazu gehören beispielsweise Weichmacher, deren Inhaltsstoffe das Hormonsystem in Unruhe versetzen und damit auch in den Stoffwechselvorgang eingreifen können.

3. Plastik im Meer führt zu Fischsterben

Nur ein geringer Anteil aller Kunststoffe wird ordnungsgemäß wiederverwertet. Der Rest findet sich oftmals im Ozean wieder. Bis 2050 wird es mehr Plastik als Fische im Meer geben. Von der Verunreinigung der Gewässer ist die Ernährungsgrundlage betroffen. Auch Meeressäuger wie Delfine, Schildkröten, Vögel oder Krebse verfangen sich oder ersticken an dem Kunststoff.

Die Probleme sind gravierend und könnten durch die Einführung einer Plastik-Steuer zwar nicht sofort beseitigt, wohl aber angegangen werden.

 

Über Vorschlag der Plastik-Steuer wird bis Mai entschieden

Nach Angaben des EU-Haushaltskommissar Oettingers wird die EU-Kommission bis Mai prüfen, ob sie offiziell eine Plastiksteuer vorschlägt. Zuerst soll die Frage geklärt werden, wer besteuert werden soll – der Produzent oder der Verbraucher. Auch über Ausnahmen wie die Verpackung von Milchprodukten müsse Einigkeit bestehen. Doch selbst wenn die Plastik-Steuer von der EU-Kommission vorgeschlagen wird, ist die Einführung noch nicht beschlossene Sache. Zuerst müsste die Zustimmung aller EU-Mitgliedsstaaten erfolgen.

 

8 Tipps, um Plastik einzusparen 

Das Plastikmüll-Problem besteht nicht erst seit gestern. Schon längt ist Plastik im Leben vieler Menschen nicht nur ein täglicher Begleiter, sondern auch essentiell geworden. Kunststoff ersetzt mittlerweile viele Stoffe, die nachhaltiger sind, beispielsweise Glas oder Holz.

 

Verwenden Sie lieber...

1. ...Thermobecher an Stelle von Bechern aus Pappe oder Plastik 

2. ...Kochlöffel als Holz

3. ...Schraubgläser/Einmachgläser an Stelle von Tupperdosen

4. ...Brotdosen aus Edelstahl

5. ...wiederverwendbare Folie anstatt Alufolie

6. ...keine Fertiggerichte, die in Plastik verpackt sind,

       sondern kaufen Sie frisches Obst und Gemüse auf dem Wochenmarkt

7. ...einen Stoffbeutel oder Rucksack zum Einkaufen

8. ...eine eigene Trinkflasche an Stelle einer Plastikflasche

 

Mit diesen 8 Tipps können Sie dazu beitragen, unsere Umwelt zu schonen und in einer plastikfreieren Umgebung zu leben.

 

Quelle: tagesschau.de und utopia.de