Müllabfuhr 2

 

Schutzmaßnahmen der Branchenregel "Abfallsammlung":


Die Branchenregel "Abfallsammlung", die im Oktober letzten Jahres verabschiedet wurde, gab dem Thema Rückwärtsfahren bei Müllfahrzeugen einen neuen Anstoß. Die Branchenregel ist als Ergebnis der Abstimmung von Vertretern der gesetzlichen Unfallversicherung sowie Verbänden der Entsorgungswirtschaft und der Gewerkschaft Verdi hervorgegangen. Die in ihr festgehaltenen allgemeingültigen Schutzmaßnahmen sehen vor, dass dass die Strecke, die im Rückwärtsgang zurückgelegt wird, nicht länger als 150 Meter sein darf. Ferner soll ein Sicherheitsabstand von mindestens 0,5 Metern an beiden Längsseiten des Müllwagens über die gesamte Rückfahrstrecke bestehen. Im Rückspiegel soll eine freie Sicht gewährleistet sein. Einweisende Personen dürfen sich nur im Sichtbereich des Fahrzeugführers und nicht im toten Winkel aufhalten und zudem nicht rückwärtsgehen.


Probleme beim Rückwärtfahren:


Immer wieder kommt es zu Unfällen durch Müllwagen, da einige Straßen zu eng, schlecht befahrbar, oder sogar Einbahnstraßen sind. Einen Zehn-Tonner durch eine schmale Straße hindurch zu steuern ist eine alltägliche Schwierigkeit, mit der Müllwagenfahrer zu kämpfen haben, und die sich trotz Einweisung ihrer Kollegen nur schwer meistern lässt. In der aktuellen Debatte werden verschiedene Lösungswege für das altbekannte Problem diskutiert: Das Rückfahrverbot steht dabei ebenso zur Diskussion wie das Schieben des Mülls an die nächste Straßenecke durch die Bürger oder die Beschaffung von Kleinfahrzeugen als Müllautos.

 

Sind Mini-Müllautos die Fahrzeuge der Zukunft?

Im Kreis Lüdenscheid steht die Frage derzeit zur Diskussion. Dort gibt es derzeit Gespräche über Mini-Müllautos. Diese kleinen Müllwagen sind zwischen 2,10 Meter breit und 5,20 Meter lang und haben eine Nutzlast von nur 2,5 Tonnen. Die Anschaffungskosten betragen 120.000 Euro pro Fahrzeug. Die damit verbundenen Leerfahrten würden allerdings die Wirtschaftlichkeit in Frage stellen. Zudem müssten spezielle Umladestationen angefahren werden, da die Kleinfahrzeuge nicht nach jeder Befüllung die weiter entfernte Müllverbrennungsanlage in anfahren könnten. Im Kreis Lüdenscheid gibt es zukünftig diesbezüglich Abstimmen zwischen Bezirksregierung, der zuständigen Abfallentsorgungsgesellschaft sowie dem Märkischen Kreis. Die Mitglieder des STL-Werksausschusses stimmten der geplanten Finanzierung für 2018 allerdings bereits einstimmig zu. Zukünftige Entwicklungen werden zeigen, wie praktikabel diese Lösung ist.

 

Sicheres Rückwärtsfahren durch neue Technik?

Im Kreis Ludwigsburg hingegen wurde eine andere Lösung gefunden, die selbst den toten Winkel überlisten will. Eine tiefere Sitzposition soll die Sicherheitslage entschärfen: Sechs neue, flachere Laster hat das Entsorgungsunternehmen Suez seit einigen Tagen im Einsatz. Low Entry wird dieser tiefe Einstieg genannt, mit denen die neuen Mercedes-Trucks ausgerüstet sind. Bequemlichkeit und Sicherheit sollen damit gewährleistet werden: Der Fahrer sitzt damit wieder auf Augenhöhe mit anderen Verkehrsteilnehmern wie Fußgängern, Radfahrern oder auch Autos. Vorgestellt wurden die neuen Fahrzeuge vom Entsorgungsunternehmen, der Abfallverwertungsgesellschaft des Kreises (AVL) sowie der Daimler AG im Ludwigsburger Schlosshof.


Neben dem Low Entry sind die Müllwagen sehr gut ausgestattet: Ähnliches wie im Cockpit eines Flugzeuges hat Fahrer auf mehreren Monitoren den Überblick über die Sicht hinter ihm, vor ihm, sowie die neben ihm. Ein automatisierter Assistent bremst das Fahrzeug bei einem Überschreiten des Sicherheitsabstandes zum nächsten Fahrzeug aus. Zur modernen Ausstattung gehören auch eine Kamera, die den toten Winkel beleuchtet, ein Spurassistent und Warnleuchten, die reagieren, wenn beim Abbiegen der Weg neben dem Laster nicht frei ist. Ist dies womöglich das sicherste Müllentsorgungsfahrzeug aller Zeiten? Das Entsorgungsunternehmen Suez und die AVL sind davon überzeugt. Die Qualität schlägt sich auch im Preis nieder: 250.000 Euro kostet eines dieser gut bestückten Müllfahrzeuge. Auch eine technische Nachrüstung der Fahrzeuge ist vorgesehen: Ein automatischer Rückfahrassistent soll den Laster im Notfall abbremsen. Für sechs von 65 Fahrzeugen des Entsorgungsunternehmen ist diese Modernisierung bereits vorgesehen. Abseits der technischen Umrüstung sind die Mülltouren im Kreis Ludwigsburg zudem so angelegt, dass das Rückwärtsfahren generell eher eine Ausnahmeerscheinung sei. Doch auch hier gilt weiterhin: Ein generelles Rückfahrverbot ist derzeit nicht durchzusetzen, da es immer noch Straßen gibt, die nicht anders befahren werden können. 

 

Sind Fahrassistenzsysteme eine gute Lösung?

Bis es soweit ist, dass modernisierte und technisch hochgerüstete Mülllastwagen inklusive komplett automatisierter Systeme die Müllabfuhr bestimmen, gibt es zunächst auch andere Möglichkeiten, wie die Tourenplanung bei Suez gezeigt hat. Fahrassistenzsysteme können Erleichterung verschaffen und die Sicherheit erhöhen. Die Systeme können den Fahrer frühzeitig warnen oder sogar das Fahrzeug anhalten. Der Einweiser kann zwar dadurch nicht ersetzt werden, allerdings sind die Systeme eine sinnvolle Ergänzung zur Stärkung der Sicherheit im Alltag der Müllwagenfahrer und Einweiser.

 

Straßeninformationssystem mit A/C/S® neo

Mit unserem eigens entwickelten Produkt A/C/S® neo bieten wir Ihnen die Möglichkeit ein eigenes Straßeninformationssystem aufzubauen. Sie können an Straßen und Objekten das Rückwärtsfahren hinterlegen. Somit weiß der Disponent bereits während der Tourenplanung, wo Rückwärtsfahren möglicherweise unabdingbar ist und kann aktiv in die Planung eingreifen, um das Risiko zu verringern. Gerne beraten wir Sie über Umsetzungsmöglichkeiten in Ihrem System. 

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 Quellen: stuttgarter-nachrichten.de und come-on.de